Besonders in der Anfangszeit der neuartigen Atemwegserkrankung COVID-19 in Deutschland drohte eine Überlastung des Internet-Netzwerks. Viele Arbeitnehmer im Home-Office, eine deutlich zunehmende Anzahl an Videokonferenzen und das vermehrte Nutzen von Online-Streaming Angeboten aufgrund der umfassenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens sind nur einige der dafür verantwortlichen Faktoren.

Eine solidarische Einheit zur Netzwerkstabilität

Aufgrund der sich anbahnenden Ausgangssperre blieben viele Bewohner vorsorglich zu Hause. Das öffentliche Leben wurde auf das nötigste reduziert und soziale Kontakte sollten gemieden werden. Eine Extremsituation – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Das Online-Streaming erfuhr aufgrund von mangelnden Ausgehmöglichkeiten in Zeiten von Corona einen regelrechten Boom. Bekannte Streaming-Dienste wie Netflix, YouTube, Amazon und Watch it TV zeigten sich in diesen schweren Tagen als eine solidarische Einheit und kündigen bereits früh an einem drohenden Netzwerkkollaps entgegenzuwirken.

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Netflix, YouTube, Amazon und Watch it TV reduzieren Datenrate für Streaming Angebot

Netflix

In Bezug auf die sich anbahnende Netzwerküberlastung kündigen Netflix Verantwortliche bereits früh an „für 30 Tage die Bit-Raten aller unserer Streams in Europa zu verringern.“ Eine Einschränkung bei der Bildqualität werde der User nach Angaben von Netflix weder auf dem Telefon noch auf dem Tablet oder dem TV erkennen. In den News hieße es, man könne das Netflix Abonnement auch bei steigenden Nutzerzahlen wie gewohnt weiter nutzen.

YouTube

Gleichermaßen beschloss die beliebte Video Plattform YouTube „vorübergehend auf Standard-Auflösung” umzustellen und drosselte weltweit die Bildqualität ihrer beliebten Video-Plattform. So musste die YouTube Community vorerst auf die gewohnte HD Qualität der Videos verzichten.

Amazon

Ein ebenfalls solidarisches Bild zeigte sich bei Amazon. Mit Amazon Prime Video zählt der Abo Streaming-Dienst zu den beliebtesten in Deutschland. Die Datenrate von Amazon Prime Video wurde auch hier europaweit während der Corona-Krise reduziert, um den Datenbedarf zu reduzieren. Während auf dem Handy oder Tablet kaum Unterschiede zu erkennen waren, mussten Nutzer im Amazon Prime Video Abonnement leichte Abstriche auf dem TV hinnehmen.

Watch it TV

Auch Regis Werlé, Geschäftsführer von Watch it TV, zeigte sich vorbildlich im Kampf gegen Corona, indem er „überall dort, wo es möglich ist, zum Beispiel bei unserem Streamingangebot von watch it TV, die Datenübertragungsrate reduziert. Dadurch ist die gewohnte Bildqualität minimal beeinträchtigt, fällt den meisten unserer Kunden jedoch gar nicht auf.“

Das Drosseln der Übertragungsgeschwindigkeiten soll dabei helfen einem drohenden Netzwerkkollaps frühzeitig entgegenzuwirken. Die Stabilität des Internets sei in diesen Tagen ein essenzieller Faktor für viele Unternehmen, die bedingt durch die Corona-Krise weitgehend auf Home Office umstellen mussten. Aber nicht nur Abo-Streaming Anbieter wie Netflix, YouTube, Amazon und Watch it TV zeigten sich engagiert im Kampf gegen Corona, sondern auch viele Netzbetreiber selbst – darunter auch die Telekom, Vodafone oder O2.

Corona Care: Telekom, Vodafone und O2 – das tun die Netzbetreiber

Netzbetreiber verzeichnen einen signifikant höheren Traffic im Internet in nur sehr kurzer Zeit. Während der Internet-Verkehr normalerweise 30% zum Vorjahr steigt, verzeichnete man innerhalb von nur einer Woche eine Zunahme um ganze 10%. Allein der Traffic von Video-Konferenzlösungen stieg hier um ganze 50% an. Dennoch geben Netzwerkbetreiber wie Telekom oder O2 keinen Grund zur Sorge. Man rechne im Äußersten nur mit punktuellen Überlastungen einzelner Dienste. „Die Netze sind derzeit stabil und gravierende Beeinträchtigungen werden aktuell nicht erwartet. Die Anbieter sind auf eine Zunahme des Datenverkehrs gut vorbereitet“ beruhigt Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. Im Kampf gegen Corona kündigen Netzanbieter schon früh in den News an, dem Robert-Koch-Institut (RKI) zudem anonymisierte und aggregierte Daten zur Verfügung zu stellen, um solidarisch gegen das Corona-Virus vorzugehen. Gleichzeitig habe man für den Fall der Fälle Notfallpläne vorbereitet, um eine kritische Auslastung der Internet-Netzwerke zu verhindern. Größere technische Einschnitte im Upload sowie in den Downloads von Daten sind demnach nicht zu erwarten.

Während Deutschland ins Home Office ging, erlaubten sich mehrere Netzbetreiber eine kleine Erinnerung an ihre Kunden zu senden, indem anstelle des Netzbetreibernamens eine Botschaft auf jedes Handy übertragen wurde. So wurden Vodafone Kunden anstelle des „Vodafone.de“ ein „#StayHome“ angezeigt. Auch die Telekom sendete eine Nachricht an ihre Kunden direkt aufs Telefon. Telekom Nutzern wurde ein „BleibZuHaus T.de“ angezeigt und Telekom-Tochter Congstar entschied sich für ein „Gemeinsam?Geht!“.

Corona App

Die Corona-Warn-App soll Infektionsketten unterbinden

Und das kommt von der Regierung: Die Corona Handy-App zum Download

Nachdem zahlreiche Datenschutz-Bedenken die Entwicklung der Corona-Handy-App maßgeblich verzögerten, steht seit dem 16. Juni die App im App-Store und bei Google Play zum Download bereit. Der Download sowie die Nutzung der App sind dabei vollkommen freiwillig. Jedoch ermutigt Kanzlerin Angela Merkel diese auch zu nutzen. Die Corona-Warn-App könne zum „Begleiter und Beschützer“ werden, indem sie dabei hilft Infektionsketten frühzeitig zu unterbrechen. „Je mehr mitmachen, desto größer ist der Nutzen“, betonte die Bundeskanzlerin.

Laut einer Studie der Universität Oxford kann die Corona Pandemie gestoppt werden, wenn rund 60% der Bevölkerung die Tracing-App benutzen. Damit die App überhaupt anfängt zu wirken, wären rund 15% notwendig. Die kritische Marke von 15% wurde in Deutschland mit rund 12 Millionen Downloads bereits eine Woche nach dem Release des Downloads am 24. Juni überschritten und zählt daher jetzt schon als Erfolg.

Und so funktioniert die App

Die Idee der App ist einfach. Nach einmaligem Download läuft die App automatisch und erfasst jeden Nutzer, dem man sich auf bis zu 2 Metern nähert und in dieser Distanz mindestens 15 Minuten verharrt. Auf diese Weise wird eine anonyme Kontaktliste angelegt. Das ganze passiert jedoch nicht über das mobile Internet, sondern über Bluetooth. So funktioniert die App auch ohne Internet. Zudem haben Nutzer die Möglichkeit innerhalb der App ein positives Corona Test-Ergebnis anzugeben. Daraufhin werden alle anonym angelegten Kontakte benachrichtigt, indem ihnen eine Warnung auf dem Handy-Display angezeigt wird.

Corona mit positivem Effekt für Deutschlands Digitalpolitik?

Spätestens während der Corona Krise wurde sichtbar, dass Länder und Politik in Sachen Digitalisierung noch weit zurückliegen. Verbände und Digitalwirtschaft fordern eine Etablierung eines Digitalministeriums im Bund. Damit hätten beispielsweise Datenschutz-Pannen bei der Corona-Warn-App im Vorhinein vermieden und eine schnellere Bereitstellung in den App-Stores gewährleistet werden können.

Da viele – insbesondere mittelständische – Unternehmen während der Krise akut gefährdet waren, machten diese hier den ersten Schritt und sahen in der Corona Krise jedoch auch eine Chance, um die Digitalisierung voranzutreiben. Ein wichtiges Signal sendete auch die Bundesregierung in den News, indem sie rund 50 Milliarden Euro in langfristige Investitionen für Digitalisierung einsetzen wird. Schwerpunkte sollen hierbei vor allem der Glasfaser-Breitbandausbau, die 5G-Mobilfunktechnologie, Künstliche Intelligenz, Quantentechnologie und das „Smart City“ Programm sein.

Quellen:

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/youtube-corona-netflix-101.html

https://handel4punkt0.de/index.php/aktuelles-im-handel-4-0/60-digitalpolitik-auf-einen-blick/444-nach-corona-turbo-fuer-die-digitalisierung

Positives in Düsseldorf in Zeiten von Corona?