Der Markt für sichere Energieversorgung entwickelt sich zu einem der dynamischsten Segmente der Industrie. Vor allem in den USA wächst der Bedarf an leistungsfähigen Notstromsystemen für Rechenzentren, Krankenhäuser, Flughäfen und Industrieanlagen. Hersteller reagieren darauf mit dem Ausbau ihrer Produktionskapazitäten und investieren gezielt in Standorte, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden.
Ein aktuelles Beispiel liefert Rolls-Royce Power Systems. Das Unternehmen investiert 24 Millionen US-Dollar in die Erweiterung seines Standorts im amerikanischen Mankato (Minnesota). Mit einem neuen Logistikzentrum soll die Produktion von Stromaggregaten der mtu-Baureihe 4000 bis Ende 2026 auf mehr als das Doppelte steigen. Gleichzeitig entstehen mehr als 100 zusätzliche Arbeitsplätze.
Für Dr. Jörg Stratmann, CEO von Rolls-Royce Power Systems, ist die Entwicklung Ausdruck eines grundlegenden Markttrends: „Die Nachfrage nach zuverlässiger und unabhängiger Energie in den USA wächst. Mit der Investition kann Rolls-Royce seine Kapazitäten ausbauen und Notstromlösungen in deutlich größerem Umfang bereitstellen. Der Standort Mankato ist dafür zentral – die hier produzierten Stromaggregate sichern den Betrieb von Unternehmen und kritischen Infrastrukturen in ganz Amerika.“
Rechenzentren verändern den Energiemarkt
Zu den wichtigsten Wachstumstreibern zählt der Ausbau digitaler Infrastruktur. Rechenzentren werden größer, leistungsfähiger und energieintensiver. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Versorgungssicherheit. Bereits kurze Stromausfälle können erhebliche wirtschaftliche Folgen verursachen. Entsprechend investieren Betreiber verstärkt in unabhängige Energieversorgungssysteme, die den Betrieb auch bei Ausfällen des öffentlichen Netzes aufrechterhalten.
Rolls-Royce gehört in diesem Markt bereits zu den etablierten Anbietern. Nach Unternehmensangaben sichern Systeme des Konzerns heute die Stromversorgung von mehr als 25 Prozent der US-Rechenzentren sowie zahlreicher weiterer kritischer Infrastrukturen. Die zusätzlichen Kapazitäten in Minnesota sollen helfen, die steigende Nachfrage aus den Bereichen Gesundheitswesen, Industrie, Transport und Digitalisierung zu bedienen. Dass diese Entwicklung nicht kurzfristiger Natur ist, hatte Jörg Stratmann bereits mehrfach hervorgehoben.
Ausbau entlang der gesamten Wertschöpfungskette
Die Investition in Mankato ist Teil eines umfassenderen Ausbaus der Fertigung in den Vereinigten Staaten. Die dort montierten Stromaggregate basieren auf Motoren der mtu-Baureihe 4000, die im Rolls-Royce-Werk in Aiken (South Carolina) produziert werden. Dort hatte das Unternehmen bereits Investitionen von 75 Millionen US-Dollar angekündigt.
Das neue Logistikzentrum übernimmt künftig sowohl Lager- und Materialflüsse als auch Montagearbeiten. Rund zwei Drittel der Fläche sind für logistische Prozesse vorgesehen, der verbleibende Teil für die Fertigung. Zudem wurden Erweiterungsflächen eingeplant, um auf weiteres Marktwachstum reagieren zu können.
Insgesamt hat Rolls-Royce in den vergangenen zehn Jahren nach eigenen Angaben mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar in den USA investiert. Das Unternehmen beschäftigt dort an 34 Standorten mehr als 5.000 Mitarbeitende und arbeitet mit über 1.000 Zulieferern zusammen.
Versorgungssicherheit wird zum strategischen Faktor
Die Entwicklung zeigt, dass Energieversorgung zunehmend als strategischer Bestandteil kritischer Infrastruktur betrachtet wird. Unternehmen und öffentliche Einrichtungen investieren nicht mehr ausschließlich in klassische Notstromaggregate, sondern in Systeme, die auch bei längeren Netzausfällen den Betrieb absichern können.
Diesen Wandel beschreibt Jörg Stratmann als einen der zentralen Wachstumstreiber der Branche. Rechenzentren würden immer größer und energiehungriger und seien heute kritische Infrastruktur. Rolls-Royce Power Systems liefere die Energiesysteme, die sie am Laufen halten – von der Primärstromversorgung bis zur Notstromversorgung. Die Fähigkeit, auch in Krisensituationen eine stabile Energieversorgung sicherzustellen, gewinne deshalb kontinuierlich an Bedeutung.
Weitere Impulse durch neue Energietechnologien
Neben der steigenden Nachfrage nach Notstromsystemen sieht Rolls-Royce weiteres Potenzial durch neue Technologien. Jörg Stratmann hatte zuletzt auf die Chancen hingewiesen, die sich durch kleine modulare Kernreaktoren (Small Modular Reactors, SMR) ergeben könnten. Diese entwickelt der Mutterkonzern Rolls-Royce in Großbritannien. Nach Einschätzung des Unternehmens könnte der weltweite Markt bis etwa 2050 ein Volumen von rund einer Billion US-Dollar erreichen und damit zusätzliche Nachfrage nach Energie- und Antriebssystemen schaffen.
Der Ausbau in Minnesota steht damit für mehr als eine einzelne Standorterweiterung. Er verdeutlicht, wie sich der Markt für sichere Energieversorgung verändert. Mit dem Wachstum digitaler Infrastruktur, steigenden Anforderungen an Versorgungssicherheit und neuen Energietechnologien entwickelt sich die Branche zu einem der wichtigsten Investitionsfelder der Industrie.

Jahrgang 1981 aus Straßbourg, ist als freier Journalist für verschiedene Online-Medien in ganz Europa unterwegs – Schwerpunkte sind die Bereiche Finanzen, Immobilien und Politik. Seine fachliche Expertise sammelte er als Berater für Global Player sowie Mittelständler. Fournier studierte Wirtschaft und Deutsch in Paris und Dresden. Zur Zeit lebt er im Saarland und verstärkt seit Anfang 2019 das Euro Leaders-Team.