Rolls-Royce Power Systems hat einen weiteren bedeutenden Auftrag im Baltikum gewonnen und baut damit seine Stellung im Markt für Batteriespeicher weiter aus. Gemeinsam mit dem baltischen Energieunternehmen Sunly wird das Friedrichshafener Unternehmen vier großskalige Batteriespeichersysteme in Lettland errichten. Die Anlagen sollen eine Gesamtkapazität von 490 Megawattstunden erreichen und einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Stromnetze sowie zur Integration erneuerbarer Energien leisten.

Bekanntgegeben wurde die Vereinbarung bei der Eröffnung eines neuen Solarparks im lettischen Valmiera. Dort entsteht einer der ersten Hybridenergieparks des Landes, in dem Solarstromerzeugung und Batteriespeicherung miteinander kombiniert werden. Das erste Speichersystem soll Anfang 2027 in Betrieb gehen. Die drei weiteren Anlagen sollen im Verlauf desselben Jahres folgen.

Speicher als Schlüssel für die Energiewende

Mit dem zunehmenden Ausbau von Solar- und Windenergie steigt der Bedarf an flexiblen Speicherlösungen. Da die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen wetterabhängig schwankt, gewinnen Batteriespeicher für den Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage an Bedeutung. Sie nehmen überschüssige Energie auf und stellen diese dann zur Verfügung, wenn die Erzeugung sinkt oder der Verbrauch steigt.

Sunly verfolgt mit den Projekten das Ziel, die Nutzung erneuerbarer Energien verlässlicher zu machen. Unternehmenschef Priit Lepasepp betont dabei die Bedeutung der Kombination von Erzeugung und Speicherung: „Unser Ziel ist es, ein Energiesystem aufzubauen, das den Menschen dient – nicht nur, wenn die Sonne scheint. Durch die Kombination von Solarstromerzeugung und Batteriespeicherung können wir Energie liefern, wenn sie benötigt wird. So wird erneuerbare Energie zuverlässiger und weniger wetterabhängig. Wir müssen strenge Cybersicherheitsanforderungen erfüllen. Für uns war es daher entscheidend, einen europäischen Partner zu finden, der seine Kompetenz bereits in Lettland unter Beweis gestellt hat.“

Die Speicher werden an vier Standorten in Lettland installiert und in bestehende beziehungsweise geplante Anlagen für erneuerbare Energien integriert. Ziel ist es, die Stabilität der Netze zu erhöhen und gleichzeitig die Nutzung regenerativer Energiequellen zu verbessern.

Komplettlösung aus Friedrichshafen

Rolls-Royce liefert nicht nur die Batteriesysteme selbst, sondern übernimmt als Generalunternehmer die gesamte Integration der Anlagen. Zum Einsatz kommen die Speichersysteme der Marke mtu sowie die Energiemanagementplattform mtu EnergetIQ.

Die Software steuert die Lade- und Entladevorgänge der Batterien und berücksichtigt dabei Netzbedingungen, Stromerzeugung und Lastanforderungen. Dadurch können Frequenzschwankungen ausgeglichen, Netzengpässe reduziert und erneuerbare Energien effizienter genutzt werden.

Andreas Görtz, President Business Unit Mobile & Sustainable bei Rolls-Royce Power Systems, sieht darin einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil: „Unsere Stärke liegt in der Bereitstellung integrierter, leistungsstarker Batterie-Energiespeichersysteme. Als Generalunternehmer bieten wir unseren Kunden einen einzigen Ansprechpartner, was ihnen hilft, Risiken und Komplexität zu reduzieren, rentable Leistung zu sichern und den langfristigen Anlagenwert zu maximieren. Gemeinsam mit Sunly liefern wir groß angelegte Batteriespeichersysteme, die eine entscheidende Rolle bei der Stärkung der Netzstabilität und der Energiesicherheit im Baltikum spielen werden.“

Die Fähigkeit, Hardware und Steuerungstechnologie aus einer Hand anzubieten, gewinnt insbesondere bei kritischer Energieinfrastruktur an Bedeutung. Neben technischen Anforderungen spielen dabei auch Fragen der Cybersicherheit eine zunehmend wichtige Rolle.

Ausbau der Partnerschaft über Lettland hinaus

Die Zusammenarbeit zwischen Sunly und Rolls-Royce soll nicht auf Lettland beschränkt bleiben. Beide Unternehmen haben bereits eine Absichtserklärung für ein weiteres Großprojekt im estnischen Risti unterzeichnet. Dort ist ein Batteriespeicher mit einer Kapazität von 300 Megawattstunden vorgesehen.

Damit erweitert sich die Kooperation auf mehrere baltische Märkte. Für Rolls-Royce bedeutet dies einen weiteren Schritt beim Ausbau seiner Präsenz in einer Region, die den Ausbau erneuerbarer Energien und entsprechender Speicherinfrastrukturen mit hoher Geschwindigkeit vorantreibt.

Mehr als 1.500 Megawattstunden im Baltikum

Der neue Auftrag reiht sich in eine Serie von Projekten ein, die Rolls-Royce in den vergangenen Jahren im Baltikum gewonnen hat. Bereits seit 2025 ist ein vom Unternehmen gelieferter Batteriespeicher für den lettischen Übertragungsnetzbetreiber Augstsprieguma tikls (AST) in Betrieb. Darüber hinaus wurden weitere Projekte in Litauen realisiert beziehungsweise beauftragt.

Nach Abschluss aller laufenden Vorhaben wird die von Rolls-Royce im Baltikum installierte Speicherkapazität mehr als 1.500 Megawattstunden erreichen. Das Unternehmen positioniert sich damit als größter Anbieter von Batteriespeicherlösungen in den baltischen Staaten.

Für Rolls-Royce Power Systems ist das Projekt zugleich ein weiterer Beleg für die strategische Ausrichtung des Unternehmens. Unter der Führung von CEO Jörg Stratmann hat der Friedrichshafener Antriebssystem- und Energietechnikspezialist sein Geschäft mit nachhaltigen Energielösungen und Batteriespeichern in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Die aktuellen Aufträge im Baltikum stärken diese Position zusätzlich.