Das Glücksspielangebot wächst kontinuierlich – gleichzeitig nimmt auch die Zahl unregulierter Angebote zu. Damit steigt die Herausforderung, Spieler wirksam zu schützen und sie im legalen, regulierten Markt zu halten. Parallel verschärfen Gesetzgeber und Behörden die Anforderungen an den Spielerschutz und setzen verstärkt auf präventive Maßnahmen.
Im Interview erläutert Nico Johann Weissengruber von APEX pro gaming, warum moderne Präventionssysteme künftig eine Schlüsselrolle spielen, um Spieler aktiv zu schützen, regulatorische Anforderungen wirksam umzusetzen und den legalen Markt gegenüber dem Schwarzmarkt zu stärken.
Herr Weissengruber, gehört Spielerschutz heute genauso zum Geschäftsmodell wie wirtschaftlicher Erfolg?
Nico Johann Weissengruber: Absolut. Wirtschaftlicher Erfolg und wirksamer Spielerschutz sind heute keine Gegensätze mehr, sondern bedingen sich gegenseitig. Ein legaler Glücksspielmarkt kann nur dann dauerhaft gesellschaftliche Akzeptanz finden, wenn er Verantwortung übernimmt. Deshalb verstehen wir Spielerschutz nicht als reine regulatorische Pflicht, sondern als festen Bestandteil eines nachhaltigen Geschäftsmodells.
Warum hat sich das Selbstverständnis der Branche verändert?
Nico Johann Weissengruber: Die Branche hat längst erkannt, dass Verantwortung weit über die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben hinausgeht. Digitalisierung eröffnet heute Möglichkeiten, Spielverhalten besser zu verstehen und Schutzmaßnahmen gezielter einzusetzen. Gleichzeitig sind die Erwartungen von Politik und Gesellschaft gestiegen. Wer langfristig erfolgreich sein will, muss zeigen, dass wirtschaftliches Handeln und gesellschaftliche Verantwortung zusammenpassen.
Wir begrüßen diese Entwicklung ausdrücklich. Sie stärkt den legalen Markt und schafft einen klaren Unterschied zu unregulierten Angeboten, bei denen der Spielerschutz oft gar keine Rolle spielt.
Interessant. Wie ist es mit dem konkreten Spielerschutz – was bedeutet moderner Spielerschutz heute?
Nico Johann Weissengruber: Früher stand häufig die Reaktion im Mittelpunkt – etwa Sperren, wenn bereits Probleme sichtbar wurden. Heute geht es darum, Risiken möglichst früh zu erkennen und gegenzusteuern. Moderne Systeme kombinieren Selbstlimits, Sperrmöglichkeiten, transparente Spielinformationen und digitale Unterstützung.
Gerade die geplante österreichische Reform mit einem zentralen, spielartenübergreifenden Sperrregister und verbindlichen Limits zeigt, dass sich der Fokus zunehmend auf Prävention verlagert. Das ist aus unserer Sicht der richtige Weg, weil Prävention immer wirksamer ist als spätes Eingreifen.
Welche Rolle spielen dabei Daten, Künstliche Intelligenz und Frühwarnsysteme?
Nico Johann Weissengruber: Technologie kann Muster erkennen, die Menschen im Alltag leicht übersehen. Wiederkehrende lange Spielzeiten, auffällige Veränderungen im Spielverhalten wie zum Beispiel höhere Einsätze oder das Überschreiten selbst gesetzter Grenzen können Hinweise darauf sein, dass Unterstützung sinnvoll ist.
Wichtig ist aber: Technologie ersetzt keine Verantwortung, sondern unterstützt sie. Sie liefert objektive Hinweise, damit Betreiber angemessen reagieren können. Der Einsatz solcher Systeme muss selbstverständlich transparent, datenschutzkonform und innerhalb klarer regulatorischer Vorgaben erfolgen.
Wie ist es mit der Regulierung? Reichen Verbote aus oder braucht es intelligentere Schutzmechanismen?
Nico Johann Weissengruber: Regeln sind unverzichtbar, aber sie allein lösen das Problem nicht. Entscheidend ist, dass Spielerschutz dort ansetzt, wo Risiken entstehen. Intelligente Schutzmechanismen können individuell unterstützen, ohne verantwortungsbewusste Spieler unnötig einzuschränken.
Unser Ziel sollte deshalb eine Regulierung sein, die Schutz wirksam macht und gleichzeitig den legalen Markt attraktiv hält. Denn nur dort greifen überhaupt die vorgesehenen Schutzinstrumente. Wenn Spieler in den regulierten Markt gelenkt werden, profitieren sie von den vorhandenen Sicherheitsmechanismen.
Welche Innovationen werden den Spielerschutz bis 2030 prägen?
Nico Johann Weissengruber: Ich erwarte eine stärkere Vernetzung verschiedener Schutzinstrumente. Zentrale Sperrsysteme, digitale Spielerkonten und intelligente Risikoerkennung werden künftig immer besser zusammenspielen. Gleichzeitig werden Spieler ihre eigenen Limits einfacher verwalten und ihr Spielverhalten transparenter nachvollziehen können.
Künstliche Intelligenz wird dabei helfen, Auffälligkeiten früher zu erkennen – allerdings immer als Unterstützung menschlicher Entscheidungen und nicht als automatischer Ersatz dafür. Verantwortungsvolle Technologie braucht am Ende immer verantwortungsvolle Menschen.
Ein häufig diskutiertes Thema ist der Schwarzmarkt. Führen strengere Regeln zwangsläufig dazu, dass Spieler auf illegale Angebote ausweichen?
Nico Johann Weissengruber: Nicht zwangsläufig. Entscheidend ist die richtige Balance. Ein gut regulierter Markt bietet hohe Schutzstandards und gleichzeitig ein attraktives legales Angebot. Werden legale Angebote jedoch so stark eingeschränkt, dass sie an Attraktivität verlieren, steigt das Risiko, dass einzelne Spieler auf unregulierte Anbieter ausweichen und dort nicht aktiv geschützt werden können.
Deshalb sollten Regulierung und Kanalisierung immer gemeinsam gedacht werden. Nur wer im legalen Markt spielt, profitiert von Sperrsystemen, Limits und Präventionsmaßnahmen, etc.
Warum ist der Schwarzmarkt aus Sicht des Spielerschutzes eigentlich das größere Problem?
Nico Johann Weissengruber: Illegale Anbieter unterliegen keinen vergleichbaren Auflagen. Dort gibt es häufig weder wirksame Identitätsprüfungen noch verpflichtende Limits oder zentrale Sperrsysteme. Genau deshalb ist der Schwarzmarkt kein Wettbewerbsthema, sondern vor allem ein Spielerschutzthema.
Wer Menschen wirksam schützen möchte, muss dafür sorgen, dass sie sich möglichst im regulierten Markt bewegen. Dort gelten klare Regeln, dort existiert behördliche Aufsicht und dort können unsere Schutzmaßnahmen überhaupt greifen.
Woran messen Sie persönlich verantwortungsvolles Glücksspiel?
Nico Johann Weissengruber: Nicht daran, wie viele Regeln existieren, sondern daran, ob sie tatsächlich wirken. Erfolgreicher Spielerschutz bedeutet, Risiken früh zu erkennen, gefährdete Menschen wirksam zu unterstützen und gleichzeitig den Spieler ein sicheres und transparentes Angebot nutzen zu lassen.
Zum Abschluss eine grundsätzliche Frage: Wenn moderne Technologie problematisches Spielverhalten früher erkennen kann als jeder Mensch – liegt die Zukunft des Spielerschutzes dann weniger in neuen Verboten als in intelligenten Präventionssystemen?
Nico Johann Weissengruber: Ich glaube nicht an ein Entweder-oder. Ein klarer regulatorischer Rahmen bleibt unverzichtbar. Aber innerhalb dieses Rahmens werden intelligente Präventionssysteme eine immer größere Rolle spielen. Moderne Technologie kann Entwicklungen erkennen, bevor sie eskalieren. Genau darin liegt ihr gesellschaftlicher Mehrwert: Wie bereits gesagt, sie ermöglicht frühzeitiges Handeln statt spätes Eingreifen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Algorithmen Entscheidungen allein treffen sollten. Es geht um ein Zusammenspiel aus Regulierung, Technologie und verantwortungsvollem Handeln der Betreiber. Die aktuelle Reformdiskussion in Österreich weist aus meiner Sicht genau in diese Richtung – mit zentralen Sperrsystemen, verbindlichen Limits und einer stärkeren Ausrichtung auf Prävention statt ausschließlich auf Sanktion.
Wenn es gelingt, diese Instrumente intelligent miteinander zu verbinden, profitieren alle Beteiligten: die Spieler, die seriösen Anbieter und letztlich auch der Staat, weil ein sicherer legaler Markt dem unregulierten Angebot den Boden entzieht.

Nico Johann Weissengruber
Über unseren Interviewpartner Nico Johann Weissengruber
Nico Johann Weissengruber ist Geschäftsführer von APEX pro gaming, einem Unternehmen der APEX Gruppe, welches hochwertiges Casino-Equipment und technologische Lösungen für den legalen Glückspielmarkt entwickelt. Darüber hinaus ist er Aufsichtsratsvorsitzender einiger der zur Unternehmensgruppe gehörenden Casinos.
Als Geschäftsführer eines international tätigen Unternehmens verfügt er über umfassende Expertise an der Schnittstelle von Regulierung, Spielerschutz und technologischer Innovation.

Jahrgang 1981 aus Straßbourg, ist als freier Journalist für verschiedene Online-Medien in ganz Europa unterwegs – Schwerpunkte sind die Bereiche Finanzen, Immobilien und Politik. Seine fachliche Expertise sammelte er als Berater für Global Player sowie Mittelständler. Fournier studierte Wirtschaft und Deutsch in Paris und Dresden. Zur Zeit lebt er im Saarland und verstärkt seit Anfang 2019 das Euro Leaders-Team.